Verliebt ins Monster

Chapter 3 — Eisige Umarmung am Starnberger See

Das Leder der Rückbank war kühl unter Friedas Fingern, ein starker Kontrast zu der Hitze, die in ihr pulsierte. Isabellas Worte hallten in ihrem Kopf nach, scharf wie splitterndes Glas: „Du bist hier, weil er es so will. Aber er wird dich nicht immer beschützen. Wenn du bleibst, musst du stark sein. Oder du wirst zerbrechen.“ Jeder Buchstabe war eine Drohung, ein Versprechen der Gefahr, die Frieda so sehr anzog.

Bastian fuhr schweigend. Seine Hände umklammerten das Lenkrad mit einer Intensität, die Frieda spüren konnte, selbst aus der Ferne. Die Lichter Münchens zogen wie gemalte Streifen vorbei, eine Welt, die ihr plötzlich so fremd und fern vorkam wie ein ferner Stern. Die Isar lag hinter ihnen, ein dunkles, fließendes Band, das die Grenze zwischen ihrem alten Leben und diesem neuen, unheimlichen Pfad markierte.

Sie waren auf dem Weg nach Norden, weg von der Stadt, weg von allem Vertrauten. Die Autobahn wurde breiter, die Landschaft offener und karger. Bastian hatte kein Wort gesagt, seit Isabella ausgestiegen war. Nur ein kurzes Nicken, das alles sagte: Ihre Reise hatte gerade erst begonnen, und die Regeln waren unklar. Frieda spürte, wie ihre Angst mit einer seltsamen Form von Vorfreude kämpfte. Sie hatte sich entschieden, und nun war sie mitten in der Dunkelheit, die Bastian so gekonnt umgab.

„Wo fahren wir hin?“, fragte sie schließlich, ihre Stimme klang dünner, als sie gewollt hatte. Die Stille, die folgte, war schwerer als jede Antwort.

Bastian warf ihr einen Blick zu, seine Augen waren Schatten in der Dämmerung. „Fort. Woanders.“ Seine Stimme war tief, fast rau. „Du wolltest die Wahrheit, Frieda. Hier siehst du sie.“

Die Landschaft veränderte sich erneut. Die Hügel wurden sanfter, aber die Luft schien kälter zu werden. Ein Gefühl der Beklemmung legte sich über Frieda, als sie die endlosen Weiten erblickte, die an ihnen vorbeizogen. Es war die Weite des Starnberger Sees, der sich nur wenige Kilometer entfernt erstreckte – ein Ort, der in der Münchner High Society für seine Kälte und Abgeschiedenheit bekannt war. Ein Ort, der wie ein Spiegel für Bastians eigene, undurchdringliche Natur schien.

Sie erreichten ein abgelegenes Anwesen, versteckt hinter hohen Mauern und dichtem Baumbestand. Kein Licht war von außen zu sehen, nur die massive, dunkle Fassade eines modernen Gebäudes, das sich in die Nacht schickte. Bastians Auto parkte vor einer schweren Eichentür. Als er ausstieg, wirkte er wie ein Raubtier, das sein Revier inspizierte.

„Wir sind da“, sagte er knapp. „Dies ist ein Ort, an dem Dinge geschehen. Dinge, die die Welt da draußen nicht sehen soll.“

Er führte sie in das Innere. Die Luft war erfüllt vom Geruch nach altem Holz, Leder und einem Hauch von Zitrone. Die Einrichtung war minimalistisch, aber von unvorstellbarem Wert. Dunkle, schwere Möbel, Kunstwerke, deren Wert Frieda nur erahnen konnte. Ein riesiges Panoramafenster gab den Blick frei auf die dunkle Fläche des Sees, der still und unergründlich in der Nacht lag.

„Das ist mein Reich, Frieda“, sagte Bastian und drehte sich zu ihr um. Seine Augen glühten im schwachen Licht. „Hier kontrolliere ich. Hier mache ich die Entscheidungen. Und jetzt triffst du eine.“

Er trat einen Schritt auf sie zu, seine Präsenz füllte den Raum. Frieda spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Es war nicht mehr nur die Anziehung, die sie zu ihm zog, es war eine Mischung aus Furcht und einer tiefen, unerklärlichen Sehnsucht. Sie sah in seinen Augen etwas, das sie nicht deuten konnte – Besitzanspruch, Verzweiflung oder vielleicht beides.

„Du hast dich entschieden, die Wahrheit zu sehen“, fuhr er fort, seine Stimme wurde leiser, intimer. „Jetzt musst du dich entscheiden, was du damit anfängst. Wirst du ein Teil davon? Oder wirst du versuchen, dagegen anzukämpfen, nur um am Ende zu zerbrechen, wie Isabella sagte?“

Er hob eine Hand und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Berührung war elektrisierend, fast schmerzhaft in ihrer Intensität. Frieda schloss die Augen für einen Moment, versuchte, die Welt um sich herum auszublenden, nur seine Nähe zu spüren.

„Ich… ich weiß es nicht“, flüsterte sie. Die Ehrlichkeit ihrer Worte schien ihn zu beunruhigen. Sein Blick wurde härter, seine Augen verengten sich.

„Das ist keine Antwort, die ich hören will, Frieda“, sagte er, seine Stimme klang nun gefährlich. Er packte sie sanft, aber bestimmt am Kinn und hob ihren Kopf, sodass sie ihm direkt in die Augen sehen musste. „Ich habe dich hierher gebracht, weil ich dich haben will. Weil du etwas in mir weckst, das ich nicht kontrollieren kann. Aber du bist nicht stark genug, um hier zu existieren, ohne dich anzupassen. Das musst du verstehen.“

Er beugte sich vor, sein Atem streifte ihre Lippen. Frieda hielt den Atem an, wartete auf den Kuss, der unausweichlich schien. Doch statt eines Kusses hörte sie plötzlich ein leises, aber deutliches Geräusch von draußen. Ein Auto, das auf dem Kiesweg parkte. Lichter, die durch die Bäume huschten.

Bastians Kopf schnellte hoch. Sein Griff um ihr Kinn lockerte sich, wich einem neuen Ausdruck von Anspannung und Überraschung. Seine Augen suchten den Bereich hinter ihr, zum Fenster, das den dunklen See überblickte.

„Wer zum Teufel ist das?“, knurrte er, seine Stimme war voller Zorn und Unglauben. Er stieß sich von Frieda ab und eilte zur Tür, zog sie mit einer schnellen Bewegung auf. Sein Gesicht verfinsterte sich, als er den Besucher erkannte, der im Schatten der Eingangshalle stand.

Es war Friedas Vater. Bleich, die Augen voller Verzweiflung, und er hielt etwas Dunkles und Glänzendes in der Hand – ein Foto. Ein Foto von Frieda und Bastian, das offensichtlich nicht von ihm gemacht worden war.

„Frieda!“, rief ihr Vater, seine Stimme brach. „Was hast du getan? Wir müssen hier weg! Sofort!“