Eiskalt serviert
Chapter 3 — Ein falscher Schritt auf poliertem Marmor
Rubens Blick bohrte sich in Alina, als hätte er durch ihre sorgfältig konstruierte Fassade hindurchgesehen. "Sie scheinen sehr… konzentriert zu sein, Frau Weber", sagte er, seine Stimme ein tiefes Grollen, das die stille Eleganz seines Büros durchdrang. Alina zwang sich zu einem Lächeln, das sich steif anfühlte. "Ich möchte einen guten Eindruck hinterlassen, Herr von Nordeck. Ich bin hier, um zu lernen und zu arbeiten."
Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Jedes Wort, jeder Blick war ein Balanceakt. Sie musste überzeugend sein, aber nicht zu sehr. Aufmerksam, aber nicht aufdringlich. Ein falscher Schritt, und ihr ganzes Vorhaben könnte zusammenbrechen, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte.
Ruben lehnte sich in seinem Stuhl zurück, seine Augen verengten sich leicht. "Das hoffe ich. Denn Ihre… Beobachtungsgabe ist bemerkenswert. Man könnte fast meinen, Sie suchen nach etwas Bestimmtem." Seine Worte waren sanft, fast beiläufig, aber sie trafen Alina wie ein physischer Schlag. Hatte er etwas bemerkt? Hatte sie zu viel Blickkontakt gehalten, zu lange in seine Richtung gestarrt, als er mit seinem Vater sprach?
"Ich bin einfach fasziniert von der Dynamik hier", log Alina und hoffte, dass ihre Stimme ruhig klang. "Alles ist so… effizient. Ich möchte verstehen, wie Sie das erreichen."
Ein Anflug von Amusement huschte über Rubens Züge. "Effizienz", wiederholte er, und sein Blick wanderte kurz zu den Fenstern, die einen atemberaubenden Blick auf die belebte Stadt boten. "Das ist ein gutes Wort dafür. Aber Effizienz erfordert manchmal auch, dass man genau hinsieht. Dass man die Schwachstellen erkennt, bevor sie ausgenutzt werden."
Seine Worte hallten in ihr nach. Schwachstellen. War das ein Test? Oder sprach er nur über das Geschäft? Alina beschloss, auf Nummer sicher zu gehen. Sie nickte knapp. "Ich verstehe. Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr von Nordeck. Ich möchte Sie nicht länger aufhalten."
Sie drehte sich um, bereit, zu ihrem provisorischen Schreibtisch in der Abteilung zurückzukehren, als Rubens Stimme sie wieder einbremste. "Bleiben Sie noch einen Moment, Frau Weber." Sie erstarrte. Sein Tonfall war jetzt ernster, weniger spielerisch. Langsam wandte sie sich ihm wieder zu. Ruben stand auf und kam um seinen Schreibtisch herum. Er blieb nur wenige Schritte vor ihr stehen, und Alina konnte den schwachen Duft seines teuren Parfüms riechen. Die Luft zwischen ihnen knisterte.
"Ich habe bemerkt, dass Sie gestern den ganzen Tag über immer wieder in die Nähe meines Vaters gegangen sind, als er mit Herrn Steiner sprach. Und heute Morgen, als er die Pressekonferenz gab, waren Sie… unerwartet nah." Er hob eine Augenbraue. "Das ist für eine neue Praktikantin eher ungewöhnlich. Erzählen Sie mir, Frau Weber. Was genau haben Sie beobachtet?"