Abkommen im Kristallsaal
Chapter 3 — Das Seidenkissen der Erpressung
Die Stimme am anderen Ende der Leitung war ruhig, fast sanft, aber Dana spürte die eiskalte Schicht darunter wie einen Hauch von Winter auf ihrer Haut. "Fräulein Lorenz. Ich habe Sie erwartet."
Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Er hatte ihre Nummer gespeichert. Natürlich hatte er das. Hannes von Schwarzburg speicherte alles, was ihm nützlich sein könnte. "Ich... ich habe Ihr Angebot durchdacht, Herr von Schwarzburg", stammelte sie, ihre Finger um das billige Plastik der Telefonhülle geklammert, als würde es ihr Halt geben in dieser sich auftuenden Abgründe.
"Und?" Seine Stimme war ein leises Summen, das durch den Hörer drang und sich in ihren Ohren festsetzte. "Sind Sie bereit, die Pflicht, die Sie gegenüber Ihrer Familie empfinden, in eine Gelegenheit zu verwandeln?"
"Ich... ich nehme an", sagte sie, die Worte klangen fremd in ihren eigenen Ohren. "Was muss ich tun?"
Ein befriedigtes Geräusch, kaum mehr als ein Hauchen, entwich ihm. "Ausgezeichnet. Kommen Sie morgen um zehn Uhr in mein Büro. Die Adresse steht auf der Karte. Bringen Sie Ihre vollständige Vermögensaufstellung mit – und die Ihres Vaters, wenn Sie sie beschaffen können. Wir werden die Details besprechen."
Das Gespräch war beendet, bevor Dana überhaupt die Chance hatte, eine weitere Frage zu stellen. Sie starrte auf ihr Handy, als wäre es eine Schlange, die sie gerade umklammert hatte. Ihr Wohnung war klein, die Tapeten lösten sich an den Rändern, aber sie war ihr Zufluchtsort gewesen. Nun fühlte sie sich wie in einem goldenen Käfig, dessen Gitterstäbe sich gerade erst formten.
Am nächsten Morgen, die Sonne schien durch die schmutzigen Fenster ihrer Wohnung und beleuchtete den Staub in der Luft, der wie winzige Diamanten tanzte, packte Dana ihre wenigen Habseligkeiten in eine alte Tasche. Ihr Vater saß am Küchentisch, die Zeitung aufgeschlagen, aber seine Augen waren leer. "Wo gehst du hin, mein Schatz?" fragte er, seine Stimme brüchig.
"Ich gehe, um unsere Probleme zu lösen, Papa", sagte Dana, versuchte, ihre Stimme fest klingen zu lassen. "Ich gehe zu Herrn von Schwarzburg."
Sein Gesicht wurde kreidebleich. "Nein! Dana, bitte, du weißt nicht, was du tust! Er ist ein Teufel!"
"Ich weiß nur, dass wir keine andere Wahl haben", erwiderte sie, ihr Herz pochte wild in ihrer Brust. Sie ging zur Tür, ihre Hand auf dem kalten Messinggriff. Ihr Vater stand auf, wollte sie aufhalten, aber seine Beine trugen ihn kaum. "Dana! Wartet nicht!", rief er ihr nach, seine Stimme voller Verzweiflung. Aber Dana öffnete die Tür und trat hinaus in den kalten Münchner Morgen, dem Verlies entgegend und doch auf dem Weg in eine unbekannte Zukunft. Als sie die Tür hinter sich schloss, hörte sie, wie ihr Vater im Hintergrund schluchzte: "Es tut mir leid, meine Tochter, es tut mir so leid..."
Im Büro von Hannes von Schwarzburg war die Luft dick und schwer, erfüllt vom Duft teuren Leders und eines undefinierbaren, maskulinen Parfüms. Dana wurde in einen riesigen Raum geführt, dessen Wände mit dunklem Holz verkleidet waren und in dessen Mitte ein Schreibtisch thronte, so groß wie ihr gesamtes Wohnzimmer. Hannes von Schwarzburg saß nicht dort. Stattdessen stand er am Fenster, die Silhouette gegen das gleißende Licht des Tages, eine Gestalt von Macht und Unnahbarkeit. Als er sich umdrehte, bemerkte Dana, dass er nicht allein war. Neben ihm stand eine Frau, elegant in einem tiefroten Kleid, mit langen, dunklen Haaren und Augen, die kälter waren als die von Hannes. Sie betrachtete Dana mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Belustigung und Verachtung lag. "Dana Lorenz", sagte Hannes, seine Stimme tiefer als am Telefon. "Ich möchte dir jemanden vorstellen. Das ist meine Verlobte, Isabella." Der Satz hing in der Luft, schwer und endgültig, und Danas Welt brach endgültig zusammen.